Englischer Stil (kräftig, esterreich & komplex)

 Schwerer und esterreicher Rum aus...

Schwerer und esterreicher Rum aus Melasse mit mehr Ecken und Kanten zeichnet den englischen Stil aus, der auch häufig unter den Namen jamaikanischer Stil geführt wird. Nach Aufkommen des spanischen Stils hielten England und seine Kolonien an den schweren Rums fest. Typische Herkunftsländer sind daher ehemalige englische Kolonien wie z.B. Jamaika, Guyana, Bermuda, Antigua, Mauritius etc..

Jamaika ist für seine este reichen Rums bekannt und auch der gesamte englische Stil ist durch sein hocharomatisches Duft- und Geschmacksprofil geprägt. Leicht verkürzt gesagt, werden der Maische bestimmte Bakterien und Hefekulturen hinzugegeben, die einen größeren Anteil an Ester, Säuren und Fuselöle produzieren. Anschließen wird die Siedetemperatur so gewählt, dass hohe Anteile an Butyl-, Pentyl- und Ethylacetat, also Estern mit verdunsten und sich anschließend im Destillat wieder finden. Esteraromen im hohem Maß, finden sich auch in Früchten wie Erdbeeren, Bananen, Organgen, Zitronen etc. wieder. Wie die Früchte auch, liegen diese Rums nicht nur kräftig im Gaumen sondern sind auch sehr präsent in der Nase. Den Anteil des Esters in einem Rum versucht man meist durch die Angabe von  "heavy bodied", "medium bodied" oder "light bodied" zu Kategorisieren. Produziert wird dieser Rumstil meist in der Brennblase bzw. dem Brennkessel (Pott Still). Auf dem Etikett wird entgegengesetzt zum Soleraverfahren meist der jüngste Anteil im Rum angegeben. Eine andere, ebenfalls gebräuchliche Unterteilung erfolgt durch die Bezeichnung Plummer-Typ (Esterzahl 150-200) und Wedderburn-Typ (Esterzahl bis 200). Die Esterzahl beschreibt wieviel mg Ester in 100ml reinem Alkohol enthalten sind.

Die "heavy bodied" Jamaika-Rums sind es auch die die Basis für den leider in Deutschland so prägenden Rumverschnitt bilden. Sind sie doch dessen Basis und werden hierzulande mit Industriealkohol und Wasser verdünnt. Ein Erbe der deutschen Kolonial- und Steuerpolitik, die dem Thema Rum in Deutschland zumindest in der Vergangenheit so sehr seinen Stempel aufgedrückt und dadurch geschadet hat.

Die samtige Süße sucht man bei diesen Rums meist vergebens, aber es sind auch mehr die Ecken und Kanten die diesen Rum aus machen, weshalb er seltener als Einstieg in die Rumszene gewählt wird, sondern eher von Kennern und solchen, die neuer Rums abseits des aktuellen Mainstreams (spanischer Stil) suchen, geschätzt wird.
Seite 1 von 2
Artikel 1 - 25 von 28